ABUSE FORM
Bleib bei uns Gulla - Gulla hält ihr Wort
Posted By :
silviaki
|
Date :
01 Jan 2009 17:43:00
|
Comments :
1
|
|
Martha Sandwall-Bergström «Bleib bei uns Gulla - Gulla hält ihr Wort»
Wiener Verlag | ISBN: N/A | PDF | 292 pages | 3,7 Mb
Der Ochse zog in knieweichem Schritt bergan. Sein massiger
Leib war zottig und naß von dem rieselnden Regen und sank so
tief im Lehm der Landstraße ein, daß die Hufe darin verschwanden.
Dieser Herbst, Anfang 1900, war einer der feuchtesten seit
Menschengedenken. Die Heuschober, die auf den Feldern draußen
standen, wurden feucht, und in den Kartoffelfurchen schoß das Regenwasser
dahin gleich kleinen Bächlein. Bauern und Häusler
stöhnten und starrten vergebens zum düsteren Himmel empor
nach einem blauen Fleck, sei er auch nur so groß wie ein Meßgewand,
denn erst dann konnte man auf eine Änderung des Wetters
hoffen. Ging es nur noch ein paar Wochen so weiter, gab es ein
Hungerjahr für die Armen. Die Kartoffeln verfaulten in der
Erde, und der Regen schoß in die Halme, daß die Ähren taub und
leicht wie Spreu wurden.
Karlberg, einer der Häusler des Herrenhofes Höje, seufzte auch,
als er so neben dem Ochsenwagen dahinzog. Er war ein großer,
grobschlächtiger Mann mit abstehenden Ohren und bedächtig
wiegendem Gang. Den Rockkragen hatte er zum Schutz gegen den
Regen hochgeschlagen und die schirmlose Mütze tief herabgezogen,
so daß sie ganz auf den Ohren ruhte und das Gesicht
mit der griesgrämigen Miene so gut wie verdeckte. Das machte
ihn einer der Vogelscheuchen ähnlich, wie sie die Bauern in ihren
Gärten aufstellen, bestehend aus einem alten Mantel, einem Hut
und ein paar Stangen, die im Winde schaukelnd dasteht und die
geflügelten Schmarotzer verjagen soll.
Hinter Karlberg ging ein Mädchen von zwölf Jahren, ängstlich
bemüht, seine groben Schuhe dem Straßenschlamm zu entziehen.
Den schwarzen, fadenscheinigen Mantel hielt es hoch, um ihn
vor Schmutzspritzern zu schützen, und in einer Hand trug es ein
kleines Bündel, das Kleider und Kleinkram enthielt, sein Hab
und Gut auf dieser Welt. Das Haar unter dem Kopftuch leuchtete
sehr blond; an den Schläfen und über der Stirn, wo es vom
Regen durchnäßt war, ringelte es sich zu kleinen Löckchen.
Schweigend ging es hinter dem Häusler dahin, der von heute ab
sein Brotherr und Arbeitgeber war, und seine Blicke ruhten ernst
und respektvoll auf dem behäbig schaukelnden Rücken des
Mannes.
| ADVERTISING » | High Speed Download | « ADVERTISING |
Recent searches:

Best regards