ABUSE FORM
Das Findelkind vom Kranwitthof
Posted By :
silviaki
|
Date :
01 Jan 2009 15:14:00
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Comments :
1
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Ida Madlen Krog von Bergen «Das Findelkind vom Kranwitthof»
Verlag Josef Berg | ISBN (ASIN: B0000BKILZ) | 1956 | PDF | 246 pages | 1 Mb
Groß und stattlich lag der Kranwitthof auf einer kleinen Anhöhe über dem Dorf Hellesried. Es war der bei weitem ansehnlichste und älteste Hof der ganzen Gegend. In der starken Frühlingssonne blitzten blanke Fensterscheiben, rote Geranien und bunte Petunien blühten üppig in den Blumenkästen, und prallgefüllte Federbetten waren zum Lüften über die Altane gehängt. Das Ganze war ein Bild geordneten Wohlstandes und gesicherten Friedens. Die haben es gut, dachte ein vorbeiwandernder, arbeitsloser Handwerksbursche, und ein kleiner, neidischer Seufzer entrang sich seiner schmalen Brust. Sein Magen erinnerte ihn mit energischem Knurren daran, daß er schon lange keine ordentliche Mahlzeit mehr bekommen hatte. Soll ich hineingehen und um ein Glas Milch und ein Stück Brot bitten? überlegte er zögernd. Seine Erfahrungen gerade mit den reichen Bauern waren nicht allzu erfreulich. Jetzt trat eine große, starkknochige Frau aus dem Haus; es war vermutlich die Bäuerin. Sie ging auf den eingezäunten
Küchengarten zu, wohl um ein paar Salatköpfe oder etwas Suppengrün für das Mittagessen zu holen.
Der Handwerksbursche betrachtete verstohlen ihr Gesicht. Es war noch nicht alt, aber so herb und hart, daß dem armen Burschen das Herz in seine fadenscheinige Hose fiel. Nein, bei der war nichts zu wollen, das war eine von der harten Sorte, die ihn mit scharfen Worten abweisen würde. Grollend und mit einem bitteren Zug um den Mund schlich er davon. Doch mit diesem Groll tat er der Bäuerin vom Kranwitthof
unrecht. Ein Glas Milch und ein Stück Brot hatte sie immer für einen Bedürftigen übrig. Regina Kranwitt sah älter aus als ihre zweiunddreißig Jahre. Und der harte Zug in ihrem Gesicht kam nicht von
einem harten Herzen, sondern von einem, wie ihr schien, allzu harten Geschick. Das äußere friedliche Bild des Kranwitthofes täuschte, innen herrschte kein Friede. Der Bauer, untersetzt und dunkel, ging übelgelaunt herum, herrisch gegen das Gesinde, mürrisch und wortkarg gegen seine Frau. In den Wirtshäusern konnte er freilich mächtig aufdrehen, prahlen und den Teufelskerl spielen. Nicht selten
kam er mit einem Mordsrausch heim.
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